Es passiert selten, dass ich in ein recht neues Stadtentwicklungsprojekt komme, und mir denke: „Wow, was für eine schöne Atmosphäre!“.
In Little C in Rotterdam ist genau das passiert.
Das Projekt ist eine Mischung aus Wohnen, Büro- und Gewerbenutzung und weist eine relativ hohe Bebauungsdichte auf. Fertiggestellt 2021, wirkt es ein bisschen so, als ob sich ein paar Häuserblöcke aus Greenwich Village mal eben von New York in die Niederlande gebeamt hätten.
Was soll ich sagen, ich bin seinem Charm erlegen.
Detailreiche Gestaltung.
Einen so hohen und feinen Detaillierungsgrad von Fassaden sieht man wirklich selten. Es wurden Klinkersteine und Steinplatten in verschiedenen Farbtönen und Oberflächenqualitäten eingesetzt. Sie ergeben ein ruhiges, und dennoch sehr lebendiges Bild, dass unseren Augen ein angenehmes Maß an Anregung bietet. Weder Reizarmut noch Überreizung finden statt.
Eine attraktive, bodengebundene Fassadenbegrünung unterstützt diese Qualitäten zusätzlich.


In der Freiraumgestaltung setzt sich die sensible und detailreiche Gestaltung fort. Unterschiedliche Pflasterungen, die den Freiraum sinnvoll zonieren, schöne Materialien für Pflanztröge und eine attraktive, vielfältige Bepflanzung mit zahlreichen Blütenstauden bieten ein Umfeld, in dem man gerne unterwegs ist.
Besonders die Erdgeschosszone – teilweise mit Arkaden ausgeführt – ist reich an attraktiven Details und fein gesetzten Vor- und Rücksprüngen.

Die Atmosphäre ist wirklich wunderbar. Ich wollte den Gastgarten des Lokals meiner Wahl gar nicht mehr verlassen.
Das war auch dem Umstand geschuldet, dass es zu dieser Zeit in Rotterdam unglaubliche 35 °C Tagestemperatur hatte und der Gastgarten schattig und mit Blick aufs Wasser gelegen war. 😊
Mehr als nur schöne Optik. Gestaltung beeinflusst Verhalten.
Das Projekt weist definitiv auch Schwächen im Hinblick auf die zu erwartende Wohnqualität auf. Vor allem hinsichtlich seiner stadträumlichen Lage in einem verkehrsbelasteten Umfeld, der mangelnden Nahversorgung und des geringen Freiraumangebots für unterschiedliche Bedürfnisse der Bewohner*innen. Um diese Aspekte geht es in diesem Bericht aber nicht.
Mir ist wichtig zu betonen, dass unsere Augen als Sinnesorgane ein bestimmtes Niveau an positiven Reizen brauchen, damit wir uns als Menschen in einer Umgebung wohl fühlen. Denn nicht nur zu viele und unangenehme, sondern auch zu wenige gute Reize, führen zu Unruhe und – interessanterweise – auch Gereiztheit.
Das Auftreten von Vandalismus ist in derart gestalteten Umgebungen weniger wahrscheinlich, was zusätzlich ein hohes Sicherheitsempfinden unterstützt. Es entsteht eine sich verstärkende positive Spirale für die Wohnqualität und die Wohnzufriedenheit.
Ein positives Image fördern.
Können wir ein hohes Niveau an guten, sensorischen Reizen – aus welchen Gründen auch immer – nicht durch die Architektur erreichen, braucht es jedenfalls eine Kompensation durch den Einsatz von Begrünung bzw. Naturelementen.
Eine ausgewogene Kombination von Architektur und Natur ist aus dieser Perspektive der Idealzustand. Solche Projekte werden von Menschen als sehr attraktiv empfunden und es wird ihnen ein hohes Maß an Lebens- und Wohnqualität zugesprochen.
Das unterstützt auch die Entwicklung eines positiven Images eines Projekts!
Little C ist trotz seiner Schwächen ein perfektes Beispiel dafür.
Herzliche Grüße,
Andrea Eggenbauer
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