Wie können Sie den Vertrautheitsgrad in der Nachbarschaft und das Sicherheitsgefühl Ihrer Bewohner*innen ganz nebenbei stärken?
Durch soziopetale Erschließungsstrukturen.
Das sind Erschließungsstrukturen, die tatsächliche Begegnungen im Alltag fördern, weil sie „zusammenführend“ aufgebaut sind.
Oft wird von begegnungsfördernden Erschließungsstrukturen gesprochen, aber die Realität ist eine ganz andere. Viele verschiedene Zugänge in eine Wohnanlage, viele unterschiedliche Alltagswege – und die meisten Bewohner*innen begegnen sich in Wirklichkeit kaum. So kann es passieren, dass Nachbar*innen, die zwei Türen voneinander entfernt wohnen, bereits Unbekannte füreinander sind.
Das führt dazu, dass es wesentlich schwieriger ist, eine Wohnatmosphäre zu entwickeln, in der sich Nachbar*innen zumindest vom Sehen kennen und ein nachbarschaftliches Netzwerk aufbauen können.
Es führt auch dazu, dass mit viel Aufwand aufgebaute Sozialstrukturen langfristig wesentlich schwieriger zu erhalten sind.
So erkennen Sie begegnungsfördernde Erschließungsstrukturen
Ein wichtiger Aspekt der Begegnung im Alltag liegt nämlich darin, dass die Bewohner*innen sich tatsächlich regelmäßig sehen und dadurch auch einschätzen können, ob die ihnen begegnende Person ebenfalls in der Wohnanlage wohnt.
Um eine hohe Anonymität durch ungünstige Erschließungsstrukturen zu vermeiden, hilft es, zu prüfen, ob die Erschließung in Ihrem Projekt die Bewohner*innen auch tatsächlich zusammenführt.
Am einfachsten lässt sich das bewerkstelligen, indem Sie typische, alltägliche Bewegungsmuster verschiedener fiktiver Personen nachvollziehen. Von der Wohnung zum Müllraum, weiter zum Kindergarten oder zum Bus. Am Heimweg geht es nach dem Supermarkt zuerst zum Postkasten, dann in die Wohnung, dann zum Spielplatz.
Wichtig dabei: berücksichtigen Sie unbedingt relevante Ziele außerhalb der Wohnanlage, wie z.B. Nahversorger, Kindergarten, Schule, Spielplatz und Haltestellen des öffentlichen Verkehrs.
Erst die Einbeziehung dieser Ziele ermöglicht ein realistisches Bild über die Abläufe.
Soziale Knotenpunkte identifizieren und stärken
Sie können mit dieser Praxis auch erkennen, wo in der Wohnanlage sich wichtige soziale Knotenpunkte der Alltagsbegegnung tatsächlich befinden. Diese sind gerade bei größeren Anlagen häufig nicht dort, wo man sie auf den ersten Blick vermuten (oder erhoffen) würde.
Diese Methode eignet sich für Neubauprojekte wie für Bestandssanierungen gleichermaßen. Sie können so das soziale Miteinander von Anfang unterstützen, oder – im Bestand – gegebenenfalls Nutzungen umorganisieren und neue Knotenpunkte der Begegnung gezielt entwickeln.
Probieren Sie die Methode bei Ihrem nächsten Projekt aus und überprüfen Sie, ob die geplanten Erschließungsstrukturen die Entstehung von Vertrautheit im Wohnumfeld unterstützen.
Denn ein Aspekt von Lebensqualität und Wohnzufriedenheit ist auch, sich in seinem Wohnumfeld gut aufgehoben zu fühlen und die eigenen Nachbarn zumindest vom Sehen her zu kennen.
Gutes Gelingen!
Mit herzlichen Grüßen,
Andrea Eggenbauer
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