Life in Architecture  von Andrea Eggenbauer

Life in Architecture  von Andrea Eggenbauer

Taktischer Urbanismus: Eine Inspiration für den Wohnbau.

Gedanken & Inspiration, Familie & Nachbarschaft, Identifikation & Ortsbindung

Den Begriff „Taktischer Urbanismus“ hört man ja mittlerweile immer öfter. Aber was bedeutet er in der Praxis?

Eine Schule in Wien hat das im Frühjahr 2026 exemplarisch gezeigt.

Vom grauen Schulvorplatz zu einem Ort der Freude und Begegnung!

Die Schüler*innen der Schule Kandlgasse hatten genug von ihrem grauen Vorplatz und wollten mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität in ihre Gasse bringen.

Die zentrale Frage war also, wie ein etwas verkehrsberuhigter, aber wenig strukturierter Vorplatz stärker Teil des schulischen Lebens werden kann.

Do it yourself.

Mit viel Engagement wurde im Do-it-yourself-Verfahren ein Konzept erarbeitet und umgesetzt, das hoffentlich nachhaltig Wirkung zeigt:

Sitzflächen und Pflanztröge aus Europaletten. In leuchtendem Rot gestrichen. Eine wunderbar wilde Bepflanzung aus Stauden, Kräutern und Blumen. Eine Freude für die Augen und ein kleines Stück Natur in der Stadt.

Taktischer Urbanismus ist das Projekt vor allem deshalb, weil es nicht „für die Ewigkeit“ geplant wurde. Es ist ein Experimentierfeld, dass für die zukünftig „dauerhafte“ Umgestaltung der Straße wertvolle Erkenntnisse bringen wird.

Und das in Verbindung mit einer entscheidenden Lernerfahrung für die Schüler*innen: gemeinsam man kann etwas bewegen und Zukunft aktiv mitgestalten!

Ideen sammeln, ausprobieren, weiterentwickeln.

Solche Experimentierfelder sind auch im Wohnbau sehr wertvoll.

Nicht immer macht es Sinn, im Rahmen einer geplanten Umgestaltung Beteiligungsworkshops zu machen und dann den Freiraum durchzuplanen und umzusetzen.

Ein einfaches, temporäres Projekt kann die Bewohner*innen oft viel besser in die geplante Entwicklung einbinden und Räume zum Experimentieren öffnen.

Hier ein paar Ideen dazu:

  • Verschiedene Bereiche für Sitzecken testen: einfach gemeinsam mit den Bewohner*innen Bänke aufstellen und dann beobachten. Wo sitzen die Leute am liebsten und warum? Was fehlt? Wo entstehen Konflikte?
  • Befestigte Bereiche mit farbigen Bodenmarkierungen zu neuen Spielflächen erklären. Werden Sie genutzt? Warum oder warum nicht? Vielleicht kann man eine kleine Radstrecke markieren und so ein bestehendes Radfahrverbot lockern.
  • Pflanzgefäße aufstellen und ein kleines Urban-Gardening-Projekt mit Interessierten starten. Wie kommt das Angebot an? Was braucht es zukünftig noch? Pergola, Sitzplätze, Wasseranschluss?

Möglichkeiten gibt es genug!

Einfach mal machen statt endlos perfektionieren.

Der Reiz dieser Maßnahmen liegt in ihrem provisorischen Charakter. Sie eröffnen einen Möglichkeitsraum, ohne gleich alles entscheiden zu müssen. Sie durchbrechen die Alles-oder-nichts-Mentalität, die uns mit ihrem Hang zum Perfektionismus lähmt.

Das gilt für Hausverwalter*innen, Bewohner*innen und Planer*innen gleichermaßen.

Und solche einfachen Maßnahmen bringen Bewegung in die Sache, auch wenn es bis zu einer geplanten Umgestaltung womöglich noch Jahre dauern wird.

Einbinden und Verantwortung übertragen.

Beim Schulprojekt in der Kandlgasse wurden auch die Anrainer*innen von Anfang an über das Vorhaben informiert. Das Projekt wurde sehr gut aufgenommen und viele Bewohner*innen aus der Straße haben angeboten, die Gießaufgaben während der Sommerferien zu übernehmen.

Im Wohnbau werden die Bewohner*innen mit solchen Gestaltungs- und Entwicklungskonzepten dazu angeregt, sich aktiv mit verschiedenen Ideen und Möglichkeiten von Zukunft auseinanderzusetzten. Sie erleben Selbstwirksamkeit in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld.

Von der Konsumentin zur aktiven Mitgestalterin.

Das Ergebnis ist häufig die Entwicklung einer stärkeren emotionale Ortsbindung und einer Bereitschaft, mehr Verantwortung für die Nachbarschaft zu übernehmen.

Eine Win-Win-Situation für alle!

Mit herzlichen Grüßen,
Andrea Eggenbauer

Weiter Informationen zum Schulprojekt und viele tolle Fotos finden Sie auf der Website der Schule Kandlgasse

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Über Andrea Eggenbauer

Gründerin und Geschäfts­führerin von Life in Architecture e.U.

Diplomingenieurin für Architektur, Stadtplanerin und Konsulentin für Humane Nachhaltigkeit in Wohnbau und Quartiersentwicklung.

Die gebürtige Wienerin unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung human nachhaltiger Wohnbauten mit hoher Wohnqualität.

Andrea Eggenbauer hat mehr als 20 Jahre in verschiedenen Positionen und Auf­ga­ben­gebieten in der Architektur­planung und der Stadt­teil­planung gearbeitet. Sie kennt die Schwierigkeit der Übersetzung von Architektur­planung und stä­dte­bau­lichen Konzepten in für Menschen ent­scheidende Qualitäten wie Sicherheit, Erholung, Gemeinschaft und Iden­ti­fi­ka­tion.

Dementsprechend liegt ihr Fokus heute auf genau dieser wichtigen Übersetzungsarbeit, damit das Engagement aller Beteiligten auch tatsächlich bei den Menschen ankommt und wirksam werden kann.

 

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