Wenn es um Sicherheit und Sicherheitsempfinden geht, hört man oft: „Sicherheitsempfinden ist subjektiv.“ Gefolgt von einem kurzen Schulterzucken.
Ja, das ist es. Nicht jede*r fühlt sich in den gleichen räumlichen und sozialen Situationen unsicher.
Und trotzdem würden Sie bei Ihrem Kind darauf bestehen, dass es abends den Heimweg durch die Wohnstraße nimmt – und nicht durch den menschenleeren Park. Egal, wie sicher der Park objektiv auch sein mag.
Ich möchte in diesem Beitrag einen Aspekt ins Blickfeld rücken, der wesentlichen Einfluss auf unser Sicherheitsempfinden im öffentlichen und halböffentlichen Raum hat: die informelle, kollektive, soziale Kontrolle.
Soziale Kontrolle? Ja.
Sperriges Wort – einfache Sache: Die Möglichkeit, von anderen gehört und gesehen zu werden. Und das damit einhergehende Vertrauen, dass jemand da ist, der uns in unangenehmen oder bedrohlichen Situationen helfen könnte.
Es ist kaum möglich, eine informelle, kollektive, soziale Kontrolle durch eine rund um die Uhr vorhandene Personenfrequenz im öffentlichen Raum sicherzustellen. Selbst im städtischen Umfeld sind die dichten, gemischt genutzten, zentralen Lagen Mangelware, auch wenn wir sie noch so gerne flächendeckend etablieren würden.
Was können wir also tun?
So funktioniert´s.
Wir können Wohnbauprojekte so planen, dass aus ihren Fenstern öffentliche und halböffentliche Räume gut überblickt werden können.
Vor allem aus den unteren fünf Geschoßen. Denn alles darüber ist praktisch wirkungslos – die akustische und visuelle Verbindung zum Straßenniveau reißt ab.
Dabei ist es wichtig, sich tatsächlich den Querschnitt der Freiräume anzusehen. Manchmal täuscht der erste Eindruck und die Einsehbarkeit ist doch nicht ganz so gut möglich, wie gedacht.
Die Blickbeziehung – und damit die Kontrollwirkung – funktioniert am besten, wenn man vom Fußgänger-Niveau eine Person am Fenster sehen bzw. erkennen könnte. In beidseitig bebauten Straßenräumen ohne Vorgärten befindet sich bei mehrgeschossigen Gebäuden also vor allem der gegenüberliegende Gehsteig im Blickfeld der Fenster.
Was hat das alles mit Wohnzufriedenheit zu tun?
Wir sorgen für Lebensqualität.
Ein hohes subjektives Sicherheitsempfinden ist Voraussetzung für eine hohe Wohnzufriedenheit und eine gute Lebensqualität.
Das gilt nicht nur in der Wohnung. Dazu gehört auch der Heimweg. Unser eigener Heimweg – und der von anderen, auf den wir aus unseren Fenstern ein Auge haben. 😊
Herzliche Grüße,
Andrea Eggenbauer

