Schönheit.
Das ist eines der Schlüsselwörter wenn Anupama Kundoo über Architektur spricht.
Die Projekte der indischen Architektin sind begehbare Poesie. Räume, die reichhaltige Sinneserfahrungen ermöglichen. Materialien, Strukturen, Licht und Schatten.
Sie sieht Schönheit in unserer gebauten Umwelt als einen wichtigen Beitrag für unser Wohlbefinden und für eine Gesellschaft, in der Menschen füreinander Sorge tragen.
Ich bin in einem ihrer Vorträge in eine Welt voller Formen und Farben eingetaucht.
Und kurz danach – Schwupps! – wieder in einem sehr vertrauten Parallel-Universum gelandet.
Unsere Sprache für Architektur
“Eine konsequente Reduktion auf das Wesentliche. Ein strenger Raster, der dem Leben einen Rahmen gibt. Eine eigenständige Großform als klare Antwort auf das heterogene städtebauliche Umfeld.“
So werden Wohnbauprojekte in Architekturdiskursen oft beschrieben.
Das Wort Schönheit ist in unserer Planungssprache beinahe verpönt. Alles soll rational oder konzeptuell begründbar sein. Genauso wird dann oft auch geplant. Schade.
Häufig ist es nicht einmal eine Kostenfrage. Die Architekturkonzepte verlangen mitunter ganz gewaltige konstruktive Aufwände – nur dass diese dann in der Alltagsrealität kaum nennenswerte Auswirkungen auf die Wohnqualität der Nutzer*innen haben.
Mit dieser Haltung entsteht eine gebaute Umwelt, in der wir unseren Sinnen die nötige Nahrung verwehren.
Wahrnehmung und Wohlbefinden
Untersuchungen zeigen, dass steril wirkende, kahle Umwelten das Wohlbefinden negativ beeinflussen – in Innenräumen wie in Außenräumen. Die Kommunikation in der Nachbarschaft leidet darunter. Ebenso das Erholungs- und Entspannungspotential. Sogar das Sicherheitsempfinden wird von eintönigen, reduzierten Umgebungen negativ beeinflusst.
Ein schönes, sensorisch reichhaltiges Umfeld fördert hingegen das Wohlbefinden, eine gute Kommunikation, Erholung und unser subjektives Sicherheitsempfinden. Und das langfristig. Alles Aspekte, die wir uns in unserem Wohnumfeld (und nicht nur da) wünschen.
Es macht also Sinn, den Wohnbau auch in dieser Hinsicht aus Nutzer*innen-Perspektive zu sehen und positive, sensorische Qualitäten als wesentlichen Faktor unseres Erlebens einzubeziehen.
Natur als Referenz
Einen Referenzrahmen bildet dabei die Natur an sich. Ihr Detailreichtum wirkt auf uns anregend und entspannend zugleich. Viele feine Nuancen.
Fassadenmaterialien wie Klinker und Holz haben hier einen Vorteil. Aber auch die Kombination von reduziert gestalteten Flächen und einer attraktiven Fassadenbegrünung funktioniert sehr gut.
Anupama Kundoo liefert Anregungen wie eine gebaute Welt aussehen kann, die sich am menschlichen Erleben orientiert. Die Übersetzung dieser Qualitäten in unsere Projekte verlangt eine andere Herangehensweise und sie wird anders aussehen. Aber sie wird genauso schön sein.
Herzliche Grüße,
Andrea Eggenbauer

