„Viele Leute nutzen die Balkone gar nicht. Und wenn, steht nur Gerümpel drauf. Die hätten wir uns auch sparen können.“
Dieser Aussage liegt ein Irrtum zu Grunde, dem ich in diesem Bericht auf den Grund gehen möchte. Ausgangslage ist dieser Beitrag über die typischen Sichtschutzplanen an Balkongeländern.
Während Sichtschutzplanen und andere abenteuerliche Konstruktionen einen recht klaren Hinweis auf zu wenig Privatsphäre auf den „privaten“ Freiflächen liefern, ist das bei verwaisten und als Abstellfläche zweckentfremdeten Balkonen nicht ganz so einfach.
Klar ist, die meisten Menschen schätzen einen privaten Freiraum sehr. Er erhöht nachweislich die Attraktivität einer Wohnung und die Wohnqualität. Wenn ein Balkon also nicht angenommen wird, liegt das meist daran, dass die Aufenthaltsqualität als zu gering empfunden wird.
Es kann also sein, dass ein Café am Morgen oder das Dösen im Liegestuhl an der frischen Luft wegen von zu starker Sonneneinstrahlung, zu starkem Wind oder zu hoher Lärmimmission einfach keinen Spaß macht.
Dieselbe Ursache.
Viel häufiger liegt einem verwaisten Balkon aber dieselbe Ursache zugrunde, wie sie bei der Errichtung von Sichtschutzplanen der Fall ist: ein zu geringer Schutz der Privatsphäre.
Warum werden von den Bewohner*innen also nicht auch hier einfach Schutzmaßnahmen umgesetzt?
Manchmal ist das räumlich kaum möglich. Vor allem, wenn auch ein Sichtschutz gegenüber sehr nahen Nachbarbalkonen erforderlich wäre. Und manchmal liegt es auch einfach in der Natur der Bewohner*innen.
Nicht alle Menschen reagieren auf Stresssituationen gleich. Während die einen proaktiv daran arbeiten, die Situation zu verbessern, ziehen andere sich eher zurück. Sie meiden also die unangenehme Situation. Beide Reaktionsmuster sind normal. Beide beruhen auf der selbst räumlichen Ursache.
Freiflächen als Rumpelkammern.
Wenn Balkone – und andere private Freiflächen – gemieden werden, dann kommt es in weiterer Folge mitunter dazu, dass die Fläche nach und nach als Abstellraum genutzt wird. Schließlich ist der Platz in der Wohnung oft knapp und die Freifläche wird ja ohnehin nicht genutzt.
Auch mit Gerümpel vollgestellte Balkone und Freiflächen können daher ein Hinweis auf zu wenig Privatsphäre sein.
Die zu geringe Privatsphäre wirkt sich negativ auf die Wohnzufriedenheit aus. Eine höhere Fluktuationsrate oder langfristiger Leerstand kann bei besonders exponierten Freiflächen die Folge sein.
Auch die Attraktivität und damit das Image einer Wohnanlage leiden mitunter.
Freiraumqualität zahlt sich mehrfach aus.
Es bringt also langfristig nicht nur eine höhere Wohnzufriedenheit, sondern auch weniger Verwaltungsaufwand und eine höhere Attraktivität eines Wohnobjekts, wenn private Freiräume mit Blick auf den Schutz der Privatsphäre optimal geplant werden.
Auch wenn`s ohnehin klar ist: Loggien oder Loggien-ähnliche Balkonstrukturen haben hier einfach einen Vorteil. Sie bieten mit ihren wunderbaren Nischen weitaus mehr Privatsphäre und damit mehr Wohnqualität, als einzelne stark exponierte Balkone, die aberwitzig aus der Fassade ragen.
Und das sieht man auch an ihrer Nutzungsintensität und den oft besonders liebevollen Ausstattungen.
Herzliche Grüße,
Andrea Eggenbauer
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